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§ 1631 BGB Abs. 2

 

„Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

 

 

Der ungeliebte Paragraph

 

 

Markige Worte:

 

„Ich will ja die Prügelstrafe nicht wieder einführen - aber einen Klaps lasse ich mir nicht verbieten.“

 

„Wenn ich sehe, wie kleine Kinder im Kaufhaus ihre Mütter terrorisieren – ich muss da immer meine Hände festhalten.“

 

Zitate, die im Jahr 2005 durch die Presse geistern.

Bereits im Jahr 2000 wurde per Gesetz  (§ 1631 Abs. 2 Satz 1 BGB n. F.) allen Kinder der BRD das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung zugesichert.

 

Wer mag es sein, der 5 Jahre später dieses Gesetz ganz offensichtlich kritisiert und ignoriert? Jemand, der sich mit der Gesetzeslage nicht auskennt? Ein 85-jähriger Großvater, der die modernen Erziehungs-Methoden seiner Schwiegertochter kritisiert?

 

... vom Generalstaatsanwalt

 

Nein, laut Tagespresse handelt es sich um den damals amtierenden Generalstaatsanwalt, der diese markigen Worte bei einer CDU-Veranstaltung in Zehlendorf verkündete und postwendend von der Justizsenatorin um eine Stellungnahme gebeten wurde.

 

 

Gegen den Strom

 

Warum ist die Annahme und die Umsetzung eines gesetzlich verankerten Rechts für manche Bürger immer noch schwierig – gelegentlich selbst für gestandene Juristen offensichtig unzumutbar?

 

Ein Blick in die Entstehungsgeschichte des § 1631 Abs. 2 Satz 1 vermittelt interessante Erkenntnisse.  Bereits auf einer Anhörung zum Thema im Rechts- und Familienausschuss im Bundestag (11/99) schieden sich die Geister und man kann in den Protokollen  folgende Äußerungen nachlesen:

 

 

DEMÜTIGUNGEN ertragen lernen

 

„Der Pädagoge (Jörg Diedrich)  hielt es auch für bedenklich, auf Gewalt als Erziehungsmaßnahme generell zu verzichten. Aus der Sicht des Pädagogen müsse "ein Kind lernen, mit Demütigungen umzugehen".

 

ZU TEUER

 

„Mit Blick auf "flankierende Maßnahmen" kritisierte der Leiter des Bayerischen Landesjugendamtes in München, Robert Sauter, die dabei anfallenden Mehrkosten würden nicht beziffert. Er forderte hingegen, die Pflichten des Kindes gesetzlich festzuschreiben, um damit den Eindruck zu vermeiden, dass es sich bei den Eltern "um wilde Tiere handelt, die man an die Kette legen muss". Solche Pflichten seien beispielsweise "den elterlichen Erziehungsmaßnahmen Folge zu leisten". 

 

NICHT MÖGLICH

 

„Einige Experten wandten sich auch gegen eine Ausweitung des Gewaltbegriffs auf "seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen".

 

„Auch Sauter bekräftigte, eine gewaltfreie Erziehung sei nicht möglich.“

 

So verwundert auch das Protokoll aus 7/00 nicht:

 

Jedem Kind soll ein Recht auf gewaltfreie Erziehung eingeräumt werden. Dies beschloss der Bundestag am 6. Juli mit großer Mehrheit auf Empfehlung des Rechtsausschusses (14/3781). Das Parlament billigte einen Gesetzentwurf von SPD und Bündnis 90/Die Grünen (14/1247). Während F.D.P. und PDS für die Vorlage votierten, stimmte die CDU/CSU dagegen.

 

 

Ein äußerst umstrittenes Gesetz also, das von vielen Seiten angegriffen und gegen ein anfängliches Votum der Union durchgesetzt wurde  - und das 5 Jahre später sogar von einem Oberermittler öffentlich ignoriert wird.

 

Trotzdem wurde den Kindern der BRD dieses Recht eingeräumt.

Wen wundert die oft zögerliche oder nicht vorhandene Umsetzung eines Gesetzes angesichts einer solchen Entstehungsgeschichte?

 

Das  Recht  auf  gewaltfreie  Erziehung

Beschämend:

 

„Nur“ 21 Jahre nach Schweden wird auch in der Bundesrepublik Deutschland endlich das Recht auf gewaltfreie Erziehung gesetzlich verankert.

 

Schweden, 1979

Deutschland, 2000

 

Züchtigungsrecht in Europa, Stand Juli 2007. Legende:

 

rot - Züchtigungsrecht für Eltern und Lehrer,

 

blau - Züchtigungsrecht für Eltern

 

grün - kein Züchtigungsrecht

In den USA sieht es hingegen traurig aus:

 

Quelle: Wikipedia

In den USA sind noch immer Körperstrafen an den Schulen in ungefähr der Hälfte aller US-amerikanischen Bundesstaaten erlaubt, werden aber praktisch nur noch in den ehemaligen Südstaaten praktiziert. Diese werden in der Regel mit einem speziellen Holzpaddel (Paddle) oder auch mit einem Lederriemen auf das bekleidete oder, jedoch nur in seltenen Fällen, entblößte Gesäß des Schülers gegeben („paddling“/„lashing“). Nach einer Schätzung des amerikanischen Bundeserziehungsministeriums gab es im Schuljahr 1996/97 an allen staatlichen US-Schulen insgesamt rund 458.000 Paddlings, das entspricht etwa 1 % der Schüler.

 

Immerhin gibt es eine wachsende Gegenbewegung, wie diese Initiativen von Eltern und Lehrern:

Project NoSpank   und   Stop Hitting  -  auf dieser Seite befindet sich umfangreiches Informationsmaterial und detaillierte Statistik zur Gewaltanwendung unter Namensnennung der Schulen.

Wie schützt man Kinder im benachbarten Ausland?

Textfeld: Quelle: Wikipedia

Was Astrid Lindgren damals schon wusste..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jenen aber, die jetzt so vornehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir eine alte Dame berichtet hat.

 

Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“. Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben.

 

Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: „Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.“

 

Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind muss gedacht haben, meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.“ Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam.

 

Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte:

 

„NIEMALS GEWALT!“

 

 

Astrid Lindgren

Frankfurt am Main

Paulskirche

22. Oktober 1978

 

Am 22. Oktober 1978 hielt

Astrid Lindgren anlässlich einer Ehrung (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels) eine Rede, die anhand einer Geschichte zum Plädoyer für gewaltfreie Erziehung wurde

 

1979 wurde in Schweden das Gesetz zur Ächtung der Gewalt gegen Kinder verabschiedet.

 

Elternfibel

Lehrergewalt 

 

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